Die Geschichte vom Bergbauernbub zum Schlossherrn
ORF 2 BK-Talk-Show am 10. 3. 2008
Ernst Schrempf > Kindheit
Ich wachse als Bergbauernbub und ältester von 7 Kindern in Mitterbach bei Mariazell auf.
Mit 10 Jahren verlässt meine Familie den abgelegenen Hof und zieht ins Ennstal,
nähe Schladming, der Heimat unserer Vorfahren.
Hier wohnt unsere Großfamilie in einfachen Verhältnissen.
Schule/Lehre
Nach der Hauptschule und dem Polytechnikum lerne ich Elektriktroinstallateur bei
Fa. Simonlehner in Schladming und bei Fa. Manfred Peer in Gröbming.
Mit dem Gesellenbrief in der Hand stehe ich an, in unserem herrlich schönen Ennstal. Damals zählte das Ennstal zu den abgelegendsten Bergtälern von Österreich.
Ich beschließe, wie viele andere aus der Heimat, als Gastarbeiter nach München zu gehen.
Berufsaufstieg
Ich arbeitete als Elektroinstallateur bei der Fa. Sessl Elektrotechnik, GF. Manfred Bärnthaler, am Kürfürstenplatz.
In 3 Jahren Abendkursen absolviere ich den Elektromeisterkurs und mit 25 Jahren gründe
ich ein eigenes Elektrounternehmen in München, Bogenhausen.
Lebensglück
Bei meinen wöchentl. Heimfahrten fand ich im Bergdorf Assach das Glück meines Lebens, meine zukünftige Frau Gerlinde. Auch sie stammt aus einer kinderreichen Bergbauernfamilie. Auch Sie zieht nach München, arbeitet zuerst in einem amerikanischen Computerkonzern und dann in unserem eigenen Elektrounternehmen.
Elektrounternehmen
Wir wohnen in einer alten Villa mit eigenem großen Garten im Promiviertel Bogenhausen,
direkt an der Möhlstrasse, gegenüber des Bogenhausener Hofes, und hatten eine kleine, aber anerkannte Firma.
Zu unseren Kunden gehört das Bognerhaus, Polo Ralph Lauren und WMF.
Also, alles Wonne und Sonnenschein.
Aber dann, nach 10 Jahren Stadtleben bekomme ich Heimweh in meine geliebten Berge.
Schloss
Als Schicksalsfügung erfuhr ich, dass der Südflügel unseres „Heimatschlosses“ im Nachbardorf Moosheim zu kaufen ist. Es ist, historisch gesehen, genau dieses Schloss,
von dem aus unsere Vorfahren, die Bergbauern, „verwaltet“ wurden.
Ich selbst kenne das Schloss bereits als Abenteuerspielplatz aus meiner Jugendzeit.
Nach der ersten Besichtigung des 500 jahre alten, sehr desolaten Gemäuers verliebe ich mich, schlage sofort zu und erwerbe damit ein Viertel der ehrwürdigen Schlossanlage
Es ist ein unglaubliches Gefühl, ich bin jetzt Schlossherr und steinreich, in Worten:
„reich an Steinen“. Gerlinde beichtete ich den Kauf erst einen Tag später.
Die Herausforderung
Die 850 Jahre alte Schlossanlage ist in den letzten 300 Jahren besitzmässig vollständig zerfallen.
Das einst riesige, dominante Altschloss hat seit über 50 jahre kein Dach, der Nordflügel,
der Schlosshof und alle angrenzenden Flächen gehörten der Gemeinde, der Kirche oder privaten Eigentümern.
Vision Schlosshotel
Und trotzdem habe ich die Vision von einem zukünftig geeinten, lebendigen, märchenhaften und romantischen Schlosshotel.
Mein gesamtes Umfeld spricht von der Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens.
Die Entscheidung zur Umsetzung fällt, so arbeiten wir, abgestempelt als "Verrückte", jahrelang an der Renovierung.
Revitalisierung
Wir kaufen zuerst das verfallene Altschloss, dann allein für den Parkplatz
5 gewidmete Baugründe, weiters den Nordflügel von der Gemeinde und der Kirche.
Es ist ein unglaublich harter Weg, Geld für den Ausbau gibt es keines, eine von den Banken verlangte Tourismusstudie bewertet mein eigenes Konzept nur als Vorwand, um einen Kredit zu erschwindeln.
Enorme Eigenleistungen sind notwendig. Eine ganz große Stütze ist mein Vater Walter Schrempf.
Er leitete den Ausbau, wenn ich in München meine Aufgabe als verantwortlicher Elektrounternehmer erfüllte.
Familienglück
Während dieser Zeit kamen unsere beiden Mädchen Katharina und Anna-Lena zur Welt.
Innenausbau
2 Jahre arbeitete ich an der Haustechnik, Heizung, Wasser, Elektro, während meine
Frau Gerlinde die Kinder aufzog und die Elektrofirma leitete.
Nach 8 Jahren Renovierungsarbeit ziehe ich mit meiner Frau unseren
Töchtern auf das nun erst halbfertige Schloss.
Unsere ersten Gäste sind die Gleitschirmflieger der Flugschule Sky-Club-Austria meines Bruders Walter. Nebenbei wurde ich auch DAEC-Gleitschirmlehrer.
Im Mai 1972 sperren wir im Zuge des Theaters „Ritter Hatto“ unser bodenständiges Restaurant auf.
Rückblick
In den 24 Jahren der Revitalisierung waren über 20 Kaufverträge notwendig.
Heute hat das Schloss Thannegg zu Moosheim wieder mehr als 2.500 ganze Fensterscheiben, 9 Eingangstüren, 2.000 qm Wohnfläche und 7.000 qm Baugrund als Garten und Nutzfläche. Die Objektgröße entspricht etwa dem von 10 Einfamilienhäusern.
Besonderheit: Der Betrieb wurde bis zum Jahr 1999 nicht „eröffnet“. Zu hart waren damals für uns die Bedingungen des Ausbaues. Hilfe gab es ausser von der Familie keine.
Die Steinchen, die uns auf den langen Weg gelegt wurden, haben wir fleissig aufgesammelt und gut sichtbar eingebaut.
Hotel-Schloss-Stube
Erst nach über 10 Jahren wurde die endgültige Kapazität von 45 Betten in 18 Zimmern in
4 Stern Qualität erreicht. Unser Slogan ist: „Das romantische, familienfreundliche Schloss mit sportlichem Geist“
Gastronomisch beginnen wir als offizielle 1 Stern-Herberge, dann mit 3 Stern, heute als
4- Stern-Hotel. Als Krönung sind wir bei den „Schlosshotels und Herrenhäusern“.
Die Arbeit als Mitglied des Vorstandes dieser ältesten Hotelkooperation Österreichs ist meine zweite große Erfüllung.
Heute
Erst im Jahre des Herrn 2008, nach 24 Jahren Arbeit, gelingt es uns, die letzten noch trennen Grundflächen zu erwerben und damit die Schlossanlage nach fast 200 Jahren
wieder zu vereinen und dadurch für die Zukunft abzusichern.
Anno 2009, zur 25 Jahr-Feier feierten wir die offizielle Eröffnung.
Dank
Ich danke vor allem meiner Frau Gerlinde für die Mitgestaltung dieser Lebensaufgabe.
ich bedanke mich auch bei unseren Töchtern für das Durchhalten und bei unseren Mitarbeitern dass wir auch in harten Zeiten zusammengehalten haben.
Und nun bedanken wir uns bei euch, liebe Schloss-Gästefamilie, für den von euch geleisteten Kulturbeitrag, der die Erfüllung dieser einst als undurchführbar eingestuften Vision erst ermöglichte.
Euer Stammgastrekord liegt derzeit bei über 400 Nächtigungen. Herzlichen Dank.
Die Vision ist Wirklichkeit geworden
Nun lebt es wieder, "unser" gemeinsames Märchenschloss Thannegg zu Moosheim,
es freut sich, seine Aufgabe als Begegnungsort von ganz besonders netten Menschen erfüllen zu dürfen.
Dafür arbeiten wir gerne.
Ernst Schrempf
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